Die Welt ruft Blog Die großen Müllfelder des Pazifik oder die absurde Frage ob es mehr Plankton oder mehr Plastik in den Meeren dieser Welt gibt
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Donnerstag, 23. März 2017

Die großen Müllfelder des Pazifik oder die absurde Frage ob es mehr Plankton oder mehr Plastik in den Meeren dieser Welt gibt

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Wir haben uns auf die Suche nach der Antwort gemacht und sind dabei über unglaubliche Bilder, Fakten und Ausmaße gestoßen.

Zunächst mal die Fakten:

Das Problem der Vermüllung unserer Ozeane ist schon seit 1997 bekannt. An einer Segelregatta teilnehmend stieß der Amerikaner Carles Moore bei einer Abkürzung auf dem Weg von Hawaii nach Los Angeles auf einen schier nicht enden wollenden Teppich aus Plastikmüll. Wie es der Zufall so wollte, machte etwa zur selben Zeit der Ozeanograph Curtis Ebbesmeyer die Entdeckung eines riesigen "Garbage Patches" bei seinen Erforschungen der Meeresströmungen. Anfangs war es nur eine Hypothese, doch die bestätigte sich schnell als ironischerweise ein Containerschiff mit quitschgelben Gummienten die Ladung verlor und die Badewannenklassiker an verschiedenen Küsten von Asien und Amerika angeschwommen kamen.

 

 

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Die Meeresströmung auf denen die Enten reiten nennt sich "North Pacific Gyre", und ist ein gigantischer Wirbel, der von der Küste Japans und Chinas bis an die Küste von Amerika, Mexiko und sogar Kanada reicht. Je nach Anfang und Ende der Plastikmüllreise, dauert es zwischen ein und drei Jahren bis der Müll ankommt.

Wo, ist nur die Frage, denn der Müll kommt nicht an, sondern wird nur immer kleiner. Wind, Sonne, Regen und das Meerwasser zerlegen den Plastikmüll in 3-5 mm große Teilchen, die sogenannten Pellets, die von Meerestieren irrtümlicher Weise mit Plankton verwechselt werden.

Nach weiteren Nachforschungen stand fest: es gibt in manchen Gebieten des Meeres bis zu 6 Mal mehr Plastikmüll im Wasser als es Plankton gibt – das war 2001. Die UNEP (United Nations Environment Programme) gibt an, dass sich in jedem Quadratkilometer Ozean rund 18 000 Plastikstücke befinden. Das sind 100 Millionen Tonnen in den Meeren der Welt insgesamt oder 46 Mal mehr als Plankton!!!

Der Müll an der Oberfläche ist dabei das kleinere Problem, denn noch viel schwerer wiegt das Problem der Vergiftung der Meerestiere. Sie können erstens nicht unterscheiden und zweitens bei der Dichte an Plastik auch nicht selektieren was sie essen. Wenn die Fische sich also von Plastik ernähren und wir die Fische essen – dann braucht man nur noch 1 und 1 zusammen zu zählen. Zurück zu den armen Tieren: gemäß der UNEP Studie sterben jährlich über 1 Million Seevögel an den Folgen des Plastikverzehrs. Es gibt zahlreiche Beispiele in denen sich Meerestiere in Plastikmüll verfangen, strangulieren oder abnormal Wachsen, weil sich ein Plastikteil wie ein Korsett um sie geschlossen hat.  Eine Schildkröte hat es dadurch sogar zu trauriger Berühmtheit geschafft.

 

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Es gibt hunderte von verendeten Albatrosküken, deren Kadaver nur so gespickt sind von Plastikmüll: Verschlüsse, Spritzen, Wegwerfbesteck, Feuerzeuge. Die Tiere verhungern elendig und schmerzlich.

 

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Rund 80% der Plastikabfälle, die im Meer landen kommen aus den Flüssen und Küstengebieten – den Rest des Mülldesasters verursachen Schiffe, die einfach ihren geschredderten Müll ins Meer kippen oder Container, die verloren gehen, bzw. von sinkenden Schiffen.

Die bisherige Plastikproduktion der Welt wird auf ca. 1 Mrd. Tonnen geschätzt, davon befinden sich nun schon 100 Mio. Tonnen, also 10% in unseren Meeren, Tendenz steigend. Plastik baut sich nicht ab, sondern wird nur kleiner. Mancher Plastikmüll produziert regelrecht Gifte, die sogenannten Weichmacher (PCB). Einmal im System der Fische, bahnen sich die Giftstoffe auch den Weg in unsere Nahrungskette. Was das wiederum für den Menschen heisst, weiß man heute noch nicht, denn es gibt keine Langzeitstudien darüber.

Selbst wenn man heute aufhören würde Plastik zu produzieren, würden die Folgen der Verschmutzung erst in Tausenden von Jahren verschwinden. Doch das interessiert die Regierungen alle nicht sonderlich. Die Probleme an Land sind wichtiger, der Ozean ist weit weg, die Kosten für Forschung und Eindämmung sind zu teuer, das Thema einfach nicht akut genug. Wahrscheinlich muss erst ein Quietscheente auf dem Teller eines Präsidenten landen, der gerade einen Fisch verspeisen will, bevor die Angelegenheit als bedrohlich betrachtet und angegangen wird.

Was man dagegen tun kann?

Weniger Plastikmüll produzieren, Hinschauen und Weitersagen, Bloggen, Initiativen beitreten. Es gibt sie, die Menschen, die nicht aufhören wollen daran zu glauben, dass sich alles ändern kann, dass wir bewusster Leben, dass Fische wieder Plankton Essen können, kleine Albatrosse groß werden dürfen und Quitscheentchen nur noch in der Badewanne schwimmen. Es wird lange dauern, aber es darf nicht schlimmer werden, sonst stehen wir alle da und schauen nicht nur wie die Eisberge schmelzen sondern auch wie die Eisbrecher zu Müllbrechern umfunktioniert werden.

Unser Captain Mr. Moore hat eine Institution gegründet, die sich voll und ganz der Aufklärung kümmert: Algalita Marine Research Foundation - hier kann man sich informieren oder spenden.

Wer ein Vorgeschmack auf eine Leben ohne Plastik haben will, der kann einen Ausblick darauf in dem Film Recipes 4 Disaster erhalten:

 

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Auch sonst gibt es immer mehr PR wirksame Aktionen, die auf die größte Verschmutzung der Erde aufmerksam machen, wie etwa die Durchquerung des Pazifiks mit einem Boot aus Plastik in 128 Tagen.

Und dann gibt es da noch Herrn Knöster, einen niederländischen Architekten, der das Problem erkannt hat und einen Plan entworfen nach dem aus recyceltem Plastik eine Insel der Größe Hawaiis konstruiert werden soll, die einmal bis zu einer halben Million Menschen beheimaten soll. Das Projekt "Recycled Island" klingt sauber, finden wir.

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